Vermibus
Insomnia Pain, 2013
Für Insomnia Pain entnahm Vermibus ein Werbeplakat aus einer Bushaltestelle im öffentlichen Raum. Das Motiv zeigte Kate Moss, eine der weltweit einflussreichsten Mode-Ikonen, deren Bild seit Jahrzehnten für Luxus, Perfektion und Begehrlichkeit eingesetzt wird. Vermibus verwendet dieses Bild nicht als Porträt, sondern als Material eines Systems, das Schönheit standardisiert und global verwertet.
Anstelle eines Pinsels nutzt er chemische Lösungsmittel und Säuren. Mit ihnen zerstört und gleichzeitig übermalt er das Bild, indem die Druckfarben sich auflösen, verlaufen, verwischen. Der Angriff auf die Oberfläche ist zugleich ein Eingriff in die Logik der Werbeästhetik. Das makellose Gesicht verliert Kontur, die glänzende Pose kippt in Erschöpfung, die Figur wirkt physisch verletzt. Die Bildschicht weint – im Wortsinn. Farbschlieren laufen wie Tränen oder Wunden über die Ikone, als würde das System hinter ihr aus ihr herausbluten.
Der Titel Insomnia Pain beschreibt nicht den Zustand einer realen Person, sondern den Dauerstress des Bildes, der ständigen Wiederholung und Präsentation, den Druck, stets makellos zu funktionieren. Vermibus zeigt Moss nicht als Individuum, sondern als globales Bildphänomen, als Opfer wie auch als Produkt einer Industrie, die ihre Körper verbraucht, vervielfältigt und austauschbar macht.
Indem Vermibus das Plakat stiehlt, bearbeitet und wieder ausstellt, verschiebt er es aus der Sphäre des Konsums in jene der Kunst. Insomnia Pain macht sichtbar, was Werbung zum Schweigen bringt: die Erschöpfung hinter dem Ideal und die Gewalt, mit der das System seine Ikonen formt. Die Arbeit ersetzt Verführung durch Empathie – und zwingt uns, nicht auf das perfekte Bild zu schauen, sondern durch es hindurch.
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Säure auf Werbeplakat
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170 × 116 cm
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Unikat