Timm Ulrichs
Wegweiser 'Hier 40 000 km', 1969
Timm Ulrichs’ Wegweiser trägt eine scheinbar nüchterne Information: Hier 40.000 km. Doch statt eine Richtung anzugeben, führt er überallhin – und zugleich nirgendwo. Die Zahl entspricht dem Umfang der Erde: Egal in welche Richtung man aufbricht, man kehrt nach 40.000 km genau an den Ausgangspunkt zurück. Der Pfeil markiert also keinen Ort in der Ferne, sondern den Standpunkt des Betrachters. Hier ist überall, und jeder Weg endet wieder im Hier.
Mit dieser simplen Verschiebung unterläuft Ulrichs die Zweckbestimmung der Beschilderung. Wegweiser sollen Orientierung erzeugen, aber dieser löst Orientierung auf. Er transformiert Alltagssprache in ein philosophisches Paradox und macht bewusst, wie wenig unsere Vorstellung von Raum, Entfernung und Richtung fest verankert ist. Was sachlich wirkt, wird zur poetischen Erkenntnis: Wir suchen Ziele, doch der Ausgangspunkt bleibt.
Ulrichs, der sich selbst als „Totalkünstler“ bezeichnet, arbeitet seit den 1960er-Jahren an den Grenzen zwischen Kunst, Sprache, Wissenschaft und Alltag. Wegweiser „Hier 40.000 km“ gehört zu seinen prägnantesten Konzeptarbeiten, weil sie mit minimalen Mitteln zeigt, dass Bedeutungen nicht vorgefunden werden, sondern erst im Denken entstehen. Ein Schild, das sich weigert, zu helfen, hilft beim Sehen.
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aluminium
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125 x 33.3 cm / 49 1/4 x 13 in
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Edition von 25 Stk.
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The artist