Thomas Wachholz
Starlight, 2021
Thomas Wachholz (*1984, Köln) arbeitet seit Jahren mit der Bildwelt von Streichholzschachteln, Leuchtreklamen und anderen industriell gefertigten Alltagsgrafiken. Ihn interessiert, wie solche scheinbar banalen Objekte Erinnerungen, Orte und ganze Epochen speichern – und wie sich ihre strengen Layouts in autonome abstrakte Malerei überführen lassen.
In Starlight schlägt dieses Interesse in eine konzentrierte, fast plakative Form um: Der gezackte Blitzkörper wirkt wie ein herausvergrößertes Detail von Warnhinweis, Comic-Soundeffekt oder Matchbox-Design. Das türkisfarbene Feld lässt ihn förmlich aufleuchten, während der seitliche Streifen mit seinem dichten Rautenmuster an die Reibfläche einer Streichholzschachtel erinnert – eine Struktur, die funktional für Zündung steht und hier zum reinen Bildrhythmus wird.
Entscheidend ist dabei das Material: Wachholz trägt roten Phosphor – den chemischen Bestandteil klassischer Streichflächen – direkt auf die Leinwand auf und kombiniert ihn mit Acrylfarbe. Die Malerei trägt so eine reale, potenziell entflammbare „Energie“ in sich, die aber im Ausstellungsraum rein symbolisch bleibt. Das Bild ist Zündfläche und Zeichen zugleich: Es spricht von Hitze, Reibung und Risiko, ohne jemals tatsächlich zu brennen.
Starlight steht damit exemplarisch für Wachholz’ „Conceptual Pop“: Eine strenge, reduzierte Formensprache, die aus grafischen Normierungen stammt, aber aufgeladen ist mit biografischer und kollektiver Erinnerung. Die Arbeit zeigt, wie weit sich ein einziges Alltagsobjekt – die Streichholzschachtel – in abstrakte Malerei hinein verlängern lässt und wie stark die Vorstellung von Feuer, Licht und Nachtleben noch in den nüchternsten Linien nachhallt.
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red phosphorus and acrylic on linen
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110 × 105 cm
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Unikat