Terry Richardson
Batman
Terry Richardson ist ein US-Fotograf, der seit den 1990er-Jahren mit grellem Blitzlicht, frontaler Direktheit und der Anmutung des Schnappschusses arbeitet. Seine Bilder wirken bewusst unfein und antiperfekt; sie zitieren Mode- und Werbefotografie, um ihre stilistischen Versprechen gleichzeitig zu brechen. Richardson verschiebt damit zwischen Subkultur, Pop und Mainstream die Frage, was „ästhetisch“ oder „professionell“ wirkt.
In Batman nutzt er popkulturelle Kostüme, die weltweit als Symbole heroischer Männlichkeit gelten – jedoch nicht, um ihre Stärke zu inszenieren, sondern um sie umzucodieren. Die Direktheit der Aufnahme, das harte Blitzlicht und die glatte weiße Wand entziehen der Szene jede filmische oder mythische Aura. Statt heroischer Ikonen erscheinen zwei Figuren im engen Ausschnitt, maskiert und zugleich entmystifiziert. Der Moment des Kusses wird nicht ästhetisiert, sondern mit der gleichen Rohheit gezeigt wie eine beiläufige Partyaufnahme.
So wird die Bildidee zum kritischen Eingriff in das Superhelden-Narrativ: Was sonst als Überhöhung männlicher Stärke funktioniert, wird hier als alltäglicher Körperkontakt sichtbar. Das Werk entzieht Kostüm, Maske und Logo ihre Hierarchie und verwandelt sie in Pop-Oberflächen ohne moralische Funktion. Batman ist damit weniger Kommentar zu Sexualität als zur Instabilität kultureller Rollenbilder – Identität erscheint als Kostüm, das getragen, gewechselt und neu gelesen werden kann.
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Chromogenic print on Kodak Endura photographic paper
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33 x 25.5 cm
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Edition of 250