Stefan Strumbel
Heimatcloud, 2014
In grellen Farben und mit der Direktheit einer Sprechblase attackiert Stefan Strumbel mit der Frage What the Fuck is Heimat? mit einem deutschen Schlüsselwort, das sich kaum übersetzen lässt. „Heimat“ – ein scheinbar harmloses Wort, gefüllt mit Erinnerungen, Zugehörigkeiten und Sehnsüchten, zugleich belastet durch Ideologien, Ausgrenzung und politischen Missbrauch. Strumbel entlarvt diese Mehrdeutigkeit, indem er die Frage nicht nur stellt, sondern herausbrüllt: brachial, provokant, popkulturell.
Die Arbeit setzt auf die Ästhetik urbaner Zeichen – grafische Flächen, plakative Typografie, knallige Farben wie in Werbung oder Street Art. Doch statt eine Marke zu verkaufen, verkauft sie Unsicherheit. Die Frage wird zum Angriff auf die Vertrautheit des Begriffs. Woher kommt unsere Vorstellung von „Heimat“? Ist sie privat oder kollektiv, offen oder exklusiv, global oder lokal? Und wer bestimmt, wer dazugehört?
Indem Strumbel die Sprechblase wie ein Zitat im Raum schweben lässt, verweigert er jede Antwort. „Heimat“ erscheint nicht als Zustand, sondern als Konfliktfläche – ein Ort, der erst entsteht, wenn wir ihn hinterfragen. Die Frage What the Fuck is Heimat? wird so zur Einladung, ein umkämpftes Gefühl neu zu denken: jenseits von Nostalgie, jenseits politischer Vereinnahmung, und vielleicht dort, wo wir uns selbst nicht ganz sicher sind.
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29,5 × 29,5 cm
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Unikat
Maria, 2013
Mit Maria überträgt Stefan Strumbel eines der zentralen Motive christlicher Ikonografie in seine Sprache aus Street Art, Pop und Heimatkritik. Die Darstellung der Muttergottes mit Kind wirkt zunächst vertraut – ein Schutzbild, wie es in vielen süddeutschen Haushalten und Kapellen präsent ist. Doch Strumbel bricht diese kulturelle Vertrautheit, indem er das religiöse Bildnis in plakative, graffitiartige Form reduziert und in eine rustikale Holzästhetik überführt.
Das Motiv erscheint zugleich sakral und dekorativ, als hätte es seinen Weg aus einem Altarbild in die Gegenwartskultur gefunden. Die neonfarbene Überzeichnung des Kopfschmucks – eine Anspielung auf traditionelle Trachten wie den Schwarzwälder Bollenhut – irritiert dabei subtil: Der vermeintliche religiöse Ernst wird mit folkloristischer Identität überblendet, ohne diese lächerlich zu machen. Strumbel zeigt, wie eng Glaube und regionale Symbolik miteinander verwoben sind, und wie beides heute zwischen Spiritualität und Lifestyle changiert.
So demontiert Maria weder Religion noch Tradition. Stattdessen legt die Arbeit offen, wie das Heilige in alltägliche Kultur übergeht und wie Identität im Bildhaften konserviert, konsumiert und weitergegeben wird. Strumbel führt vor Augen, dass das Sakrale nicht verschwindet – es erscheint nur in neuen Oberflächen.
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spray paint on wood
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70 × 50 cm
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Series: 3/3