Simon Schubert
"Ohne Titel (Raum mit Vorhängen und Licht)" Papier 2014
Simon Schubert formt in dieser Arbeit einen Raum, ohne ihn zu zeichnen. Ausschließlich durch präzise Faltungen erscheint ein klassisches Interieur: hohe Fenster mit schweren Vorhängen, Stuck, Türen, Parkett. Der gezielte Einsatz von Licht und Schatten lässt aus einfachem Papier eine räumliche Architektur entstehen, die zugleich plastisch und immateriell wirkt.
Der abgebildete Raum scheint menschenleer, beinahe unberührt – ein Ort der Projektion, Erinnerung oder Erwartung. Das gefaltete Licht auf dem Boden erinnert an die Präsenz einer Außenwelt, die jedoch unsichtbar bleibt. So entsteht ein paradoxes Bild: Der Raum offenbart eine klare Architektur, doch er bleibt körperlos und fragil, besteht nur aus Spuren, Kanten und Schattierungen.
Schubert untersucht hier die Beziehung zwischen Raum und Vorstellungskraft. Das Werk verweigert Farbe und Materialfülle und erreicht gerade dadurch eine stille Intensität. Die Faltung ersetzt die Zeichnung, Zeit ersetzt Gestus, Reduktion ersetzt Ausdruck. In der delikaten Oberfläche des Papiers wird sichtbare Architektur zu einer Art Erinnerung – ein Raum, der nicht betreten, sondern nur gedacht werden kann.
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Gefaltetes Papier
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70 × 50 cm
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Unikat