Robert Doisneau

Les pains de Picasso, 1952

Robert Doisneau fotografierte in den 1950er-Jahren mehrfach im Umfeld von Pablo Picasso. Die Begegnungen waren nicht als repräsentative Künstlerporträts angelegt, sondern als Beobachtungen des Alltags. Genau daraus entstand Les pains de Picasso, eine der bekanntesten Aufnahmen jener Serie.

Die Szene zeigt einen gedeckten Tisch, ein Streifenhemd, Brot, Teller, Wasser, eine einfache Flasche – nichts wirkt arrangiert oder demonstrativ künstlerisch. Doch Doisneau verwandelt die Situation in ein Bild mit skulpturalem Witz: Die länglichen Brote liegen so auf dem Tisch, dass sie wie übergroße Hände vor dem Körper erscheinen. Was zunächst wie ein dokumentarischer Moment aussieht, wird zur augenzwinkernden Verfremdung, die an die plastische Dynamik von Picasso-Figuren erinnert.

Der Bildtitel verankert diese Pointe eindeutig: Im Werk geht es nicht um eine heroische Künstlerdarstellung, sondern um das Zusammenspiel zwischen Person, Objekt und Alltagsmaterial. Brot wird zur Form, nicht zum Nahrungsmittel; der Tisch zur Bühne; der Blick zur stillen Geste. Les pains de Picasso zeigt nicht das Schaffen des Künstlers, sondern gibt dem Alltag selbst eine künstlerische Möglichkeit.

Doisneau begegnet Picasso also nicht als Genie, sondern als Gegenüber in einer Bildidee. Die Fotografie ist damit weniger Hommage als humorvolle Kollaboration zwischen Beobachtung und Präsenz – ein Moment, der sich selbst zur Kunst erklärt.

  • Silbergelatine-Abzug

  • 28 × 25 cm auf einem Papierformat von 40 × 30 cm.

  • Späterer Silbergelatine-Abzug, unterhalb des Bildes signiert.

Ohne Titel (Le Corbusier), 1953

Dieses Porträt des Fotografen Robert Doisneau zeigt Le Corbusier in einem Moment konzentrierter Versenkung: lesend, annotierend, ganz hingegeben an den Denkprozess, der seine Architektur ebenso prägte wie seine Theorie. Doisneau fängt hier nicht den großen Visionär des 20. Jahrhunderts im Gestus des Gestalters ein, sondern in einer leisen, fast intimen Geste des Arbeitens. Die ikonische runde Brille, der gespannte Blick und die nervöse Präzision der Hand verleihen dem Bild eine stille Spannung – als würde man dem Entstehen einer Idee beiwohnen.

Die Fotografie offenbart Le Corbusier nicht als distanzierte Ikone der Moderne, sondern als denkenden, prüfenden Menschen. In der Kombination aus Licht, Körnung und der klaren Komposition entsteht ein zeitloses Bild eines Architekten, dessen Einfluss bis heute nachwirkt – und dessen geistige Arbeit hier in einem selten persönlichen Moment sichtbar wird.

  • Gelatin silver print

  • 24,4 x 26,7cm (33,1 x 33,1cm)

  • Edition von 150