Ramin Haerizadeh
Dead Hare (Emperor´s New Dress), 2009-2013
In dieser Collage überlagert Ramin Haerizadeh kunsthistorische Mythen mit medialen Bildern politischer Gewalt. Fragmentierte Körper, maskierte Gesichter und ikonische Motive bilden ein verstörtes Tableau, das sich jeder eindeutigen Lesbarkeit entzieht. Der tote Hase – ein Verweis auf Joseph Beuys’ Aktion Wie man dem toten Hasen die Bilder erklärt – wird hier nicht zum poetischen Zeugen, sondern zum Produkt realer Brutalität. Gleichzeitig trifft die westliche Kunstikone der Mona Lisa auf stereotypisierte Darstellungen verschleierter Frauen, wodurch Haerizadeh die Mechanismen offenlegt, mit denen Kulturen Bilder idealisieren oder instrumentalisieren.
Haerizadeh, der seit 2009 im Exil lebt, arbeitet bewusst gegen jede Form politischer Zuschreibung. Seine Praxis kritisiert nicht nur religiöse oder staatliche Machtstrukturen, sondern auch den westlichen Blick, der Bilder aus dem Nahen Osten gerne zu Lesbarkeiten vereinfacht. Durch Überzeichnung, Maskierung und humorvolle Distanz destabilisiert er jede Behauptung von Authentizität. Dead Hare (Emperor’s New Dress) zeigt deshalb weniger eine Szene als ein System: Bilder werden konsumiert, verehrt, benutzt – und verlieren dabei ihre Wahrheit. Die Unlesbarkeit des Werks ist damit keine Verweigerung, sondern eine politische Haltung.
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200 × 150 cm
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Unikat