Jerry Zeniuk

Ohne Titel 2010

In dieser kleinen Arbeit von 2010 erforscht Jerry Zeniuk die Autonomie der Farbe. Ohne figürliche Anspielung und ohne kompositorischen Zwang liegen die einzelnen Farbflecken auf der rohen Leinwand wie eigenständige Erscheinungen. Sie behaupten sich nicht als Teil einer Form, sondern als Präsenz: Farbe als Ereignis. Jeder Fleck besitzt sein eigenes Temperament – leuchtend, stumpf, transparent, satt –, und doch entsteht zwischen ihnen ein stilles Verhältnis von Nähe, Spannung und Gleichgewicht.

Zeniuk begreift Malerei nicht als Bildproduktion, sondern als Erfahrung. Farbe wird hier nicht aufgetragen, um etwas zu zeigen, sondern um etwas zu sein. Die unbehandelte Leinwand als Hintergrund stärkt diesen Gedanken: Sie ist kein neutraler Träger, sondern ein offener Raum, in dem Farbe kommuniziert, kollidiert oder sich zurückzieht.

So entsteht aus wenigen Elementen ein komplexes Gefüge, in dem Malerei sich auf ihre Grundfragen reduziert: Was geschieht, wenn Farbe frei wird? Wie verhalten sich Töne zueinander, wenn sie weder Form noch Inhalt dienen müssen? Ohne Titel antwortet nicht – es lässt uns sehen, wie Malerei denken kann.

  • Öl auf Leinwand

  • 40 × 40 cm

  • Unikat