Ivàn Capote

The key to all things, 2006

Ivàn Capote (1973, Pinar del Río, Kuba) arbeitet an der Schnittstelle zwischen Sprache, Macht und gesellschaftlicher Ideologie. Seine Skulpturen und Objekte verwandeln Wörter in materielle Formen und geben Begriffen ein Gewicht – buchstäblich. Capote untersucht, wie Sprache Denken beeinflusst und wie Bedeutungen durch Politik, Ökonomie und kollektive Wahrnehmung gesteuert werden. Wie ein semantischer Architekt modelliert er Begriffe zu Dingen, deren Form über ihre Macht spricht.

In The Key to All Things wird ein Schlüssel zu einem Träger von Sprache und Ideologie. Überdimensioniert, massiv und aus schwerem Metall gefertigt, wirkt er wie ein Werkzeug zur Öffnung grundlegender Werte oder Wahrheiten. Erst auf den zweiten Blick enthüllt der Schlüssel seine verborgene Botschaft: Die gezackte Kante formt eine abstrahierte, typografische Struktur, die sich wie ein verschlüsseltes Wort lesen lässt – der „Schlüssel zu allem“.

Der Titel verweist darauf, dass Sprache für jeden Zugang schafft – zu Wissen, Beziehungen, Denken oder Handeln. Was „alles“ bedeutet, bleibt bewusst offen und wird von den Betrachtenden mit Inhalt gefüllt. The Key to All Things ist kein Werkzeug der Ausgrenzung, sondern ein Impuls zur Teilhabe: ein Schlüssel, der niemandem gehört und zugleich allen. Er beschreibt Sprache als kollektive Kraft, die Wirklichkeiten öffnet, sobald wir sie nutzen.

Capote lässt jedoch offen, was „alles“ bedeutet. Das Werk zwingt dazu, selbst zu entscheiden, welche Macht dieser Schlüssel trägt: Wahrheit? Freiheit? Eigentum? Wissen? The Key to All Things öffnet nicht nur Türen, sondern Denkräume. Es erinnert daran, dass Sprache nicht einfach beschreibt, sondern gestaltet und beherrscht – oft, bevor wir es merken.

  • aluminium, steel

  • 115,6 x 32,7 cm

  • Ed. 01/03