Hanna Nitsch
Die deutsche Künstlerin Hanna Nitsch (geb. 1974) arbeitet mit Fotografie, Malerei und installativen Elementen, um Fragen nach Identität, Körperlichkeit und familiären Rollenbildern zu verhandeln. Ihre Motive entstehen häufig aus privaten Bildarchiven – Familienfotos, Alltagsszenen, intime Momente –, die sie in malerische oder fotografische Experimente überführt. Dadurch verwandelt Nitsch das scheinbar Unbedeutende in ein psychologisch aufgeladenes Terrain: Zwischen Nähe und Distanz wird das Persönliche zur Bühne und der Körper zur Projektionsfläche.
Ihre Figuren sind oft reduziert, überzeichnet oder fragmentiert. Sie entziehen sich dem klassischen Porträt und bewegen sich stattdessen im Spannungsfeld zwischen Selbstdarstellung und Beobachtung. Nitsch untersucht, wie Bilder Identität konstruieren – und wie stark Familiengeschichten, Erziehung und soziale Erwartungen unsere Wahrnehmung von uns selbst prägen. Ihre Arbeiten sind keine Erinnerungen, sondern Reinszenierungen; keine Biografien, sondern Übersetzungen von Emotionen in Form, Farbe, Oberfläche und Haltung.
Damit gelingt ihr ein seltenes Gleichgewicht: persönlich ohne privat zu sein, intim ohne voyeuristisch, verletzlich ohne Pathos. Hanna Nitsch führt vor Augen, wie Bilder uns prägen – und wie wir uns durch Bilder immer wieder neu erfinden.
Elisabeth 31-10-11
In Elisabeth 31-10-11 verwandelt Hanna Nitsch ein privates Bild eines Kindes in eine ambivalente Ikone zwischen Unschuld und Inszenierung. Die fluoreszierenden Farbschichten, die weich ineinander übergehen, verleihen dem Körper eine fast körperlose, von innen her leuchtende Präsenz. Das Gesicht wirkt überbelichtet, makellos, beinahe künstlich – ein Spiel mit den Sehgewohnheiten, die wir aus Werbung, Social Media und idealisierten Portraitcodes kennen. Gleichzeitig irritieren die Spuren von Kälte, Erschöpfung oder Verletzlichkeit, die sich wie Schatten über das makellose Leuchten legen.
Mit der Blumenkrone, den rosigen Lippen und dem entrückten Blick zitiert das Bild ein romantisches, fast heiliges Bildkind – und bricht es zugleich. Die Geste der Hand auf dem Brustkorb, zart, tastend, wirkt unschuldig und selbstbewusst zugleich. Das aufscheinende ornamentale Muster in der Herzgegend wirkt wie ein Tattoo, ein Schutzzeichen oder eine Verletzung: etwas, das bewohnt, markiert, beansprucht. Nitsch nutzt diese Zeichen, um das Bild vom Biografischen zu lösen und in ein universelles Feld der Projektion zu überführen.
So kippt das Porträt zwischen Reinheit und Konstruktion, zwischen Kindlichkeit und Rolle. Elisabeth 31-10-11 zeigt kein Mädchen, sondern ein Bild davon – ein Bild, das uns mit unseren Erwartungen konfrontiert: Was berührt uns? Was idealisieren wir? Und wann beginnt ein Portrait, nicht mehr ein Mensch, sondern ein Mythos zu sein?
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Noch nicht gepflegt
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Noch nicht gepflegt
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Unikat
Generation_Z_SM_Elisabeth-in-the-mirror_#2, 2022
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Tusche auf Papier
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62 × 48 cm
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Unikat
Lilli (transformation), 2011-- 29-08-11 1; 30-08-11 2; 31-08-11 3; 01-09-11 4; 02-09-11 5.
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Aquarell auf leichtem Karton
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31,5 x 24 cm
Rahmen/Sockel: Rahmen (jeweils: 51 x 42cm).
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Unikat