Gregor Hildebrandt

Albers (Anni) Tarn Kappe (B. Frize), 2018

Gregor Hildebrandt (geb. 1974) arbeitet mit den Speichermedien analoger Musik – Schallplatten, Tonbändern, Kassetten. Aus ihren Oberflächen, Rillen und Fragmenten formt er stille Bildarchitekturen, in denen Erinnerungen, Kunstgeschichte und Popkultur in neue Muster übergehen.

Für Albers (Anni) Tarn Kappe (B. Frize) zerschneidet Hildebrandt schwarze und weiße Schallplatten in präzise geometrische Segmente und setzt sie zu einem vibrierenden Schwarz-Weiß-Raster zusammen. Das Muster geht auf ein bekanntes Motiv von Anni Albers zurück – allerdings nicht gewebt, sondern aus hartem Vinyl gefügt, dessen Rillen das Licht brechen und der strengen Struktur eine fast flirrende Oberfläche verleihen.

Die „Tarnkappe“ verweist auf das Prinzip des Verbergens durch Muster: ein textiles Motiv, das in die Sprache des Klangs übertragen wird. Mit dem Verweis auf Bernard Frize öffnet sich eine weitere Ebene. Frize hatte sich in seinem Künstlerbuch Die Tarnkappe mit grafischen Strukturen beschäftigt, die Informationen schützen und unsichtbar machen. Hildebrandt nimmt diesen Gedanken auf und verbindet ihn mit Albers’ Textilraster: zwei historische Systeme des Ordnens, Webens, Kaschierens – nun neu zusammengesetzt aus Schallplattenfragmenten.

So wird das Werk zu einem Dialog über Sichtbarkeit und Verschlüsselung: Ein Muster, das zugleich zeigt und verbirgt, eine Komposition aus Musikmaterial, in der sich Erinnerung, Struktur und Tarneffekt überlagern.

  • cut vinyl records, canvas, wood

  • 203 x 179 cm / 80 x 70 1/2 in

  • Unikat

  • The artist and Wentrup Gallery

Shearer, 2020

Gregor Hildebrandt montiert für seine „Kassettenkästen“ hunderte bespielte Audiokassetten in eng gesetzten Reihen zu einer scheinbar monochromen, schimmernden Oberfläche. Aus der Distanz tritt daraus ein Bild hervor – ein Porträt, das sich erst im räumlichen Wechsel vollständig erschließt und aus der Nähe wieder in einzelne Bänder zerfällt.

In Shearer erscheint das Motiv der Hollywood-Schauspielerin Edith Norma Shearer, einem der großen Stars der 1930er Jahre und Oscarpreisträgerin von 1930. Ihr Porträt, ikonisch und aus der frühen Ära des Studiosystems vielfach reproduziert, wird bei Hildebrandt in ein neues Medium überführt: Die Struktur der Kassettenraster erzeugt ein Bild, das zugleich präsent und flüchtig wirkt, wie eine Erinnerung, die sich aus Fragmenten zusammensetzt.

Die Kassetten sind Träger von Klang – hier aber fungieren sie als Träger eines filmischen Bildes. Zwischen diesen Medien entsteht eine feine Verschiebung: Die Arbeit handelt nicht von dem, was die Kassetten speichern, sondern davon, was sie sichtbar machen. Das Porträt einer Schauspielerin, deren Karriere von Inszenierungen, Projektionen und medialer Wiederholung geprägt war, erscheint so in einem Material, das seinerseits für Aufnahme, Übertragung und Erinnerung steht.

Shearer ist damit ein stilles Bild über Ikonografie, Medialität und das Nachleben von Kultur: Ein Gesicht, das durch Reproduktion berühmt wurde, wird erneut reproduziert – diesmal aus hunderten kleinen Speichereinheiten, die gemeinsam ein neues, vibrierendes Ganzes formen.

  • ink jet print, inlays and plastic boxes in wooden case

  • 159.5 x 111.5 cm / 62 3/4 x 44 i

  • Unikat

  • The artist and Wentrup Gallery