Friedrich Kunath
I Don’t Feel Like Talking, 2020
Friedrich Kunath ist bekannt für Werke, in denen Sehnsucht, Humor und Melancholie ineinander übergehen. Er kombiniert romantische Bildwelten mit lakonischen Sätzen, die wirken, als kämen sie aus Popkultur, Tagebucheinträgen oder banalen Momenten des Alltags. So verwandelt er große Gefühle in stille, manchmal ironisch gebrochene Stimmungen – und zeigt, wie ernst es der Humor mit uns meint.
In I Don’t Feel Like Talking malt Kunath eine dichte, nebelverhangene Waldlandschaft, die an romantische Naturvorstellungen erinnert. Doch sie liegt nicht auf Leinwand, sondern auf einem überdimensionierten, linierten Notizblatt – komplett mit Lochrand. Über den Baumwipfeln steht in kleiner Handschrift: „I don’t feel like talking.“ Die monumentale Landschaft trifft auf eine beiläufige Müdigkeit, fast wie ein persönliches Geständnis.
Kunath bricht Pathos nicht, er präzisiert es: Der Satz wirkt wie ein innerer Reflex gegenüber einer überwältigenden Welt. Das Bild wird zu einer emotionalen Topografie – ein Ort, an dem Zurückhaltung, Weite und Selbstironie zusammenfallen. So zeigt Kunath, dass Melancholie nicht nur Tragik ist, sondern auch Schutzraum, Beobachtung und ein leiser Witz über uns selbst.
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acrylic and colored pencil on canvas
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182,8 x 152,4 cm
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Unikat
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Courtesy of the artist and KÖNIG GALERIE
Hollywood (Prendila Così), 2025
Mit Hollywood (Prendila Così) verdichtet Friedrich Kunath einmal mehr jene emotionale Ambivalenz, die sein Werk seit Jahren prägt: Sehnsucht und Ernüchterung, Romantik und Selbstironie, Nähe und Distanz. Im Zentrum der Arbeit steht die ikonische Anmutung des Hollywood-Schriftzugs – jedoch reduziert auf das Fragment „YWOOD“. Aus dem weltbekannten Symbol kollektiver Wunschbilder wird eine irritierende Verschiebung: vertraut und zugleich unvollständig, monumental und brüchig zugleich. Hollywood erscheint hier weniger als realer Ort denn als Projektionsfläche für Hoffnungen, Erinnerungen und emotionale Konstruktionen.
Im Vordergrund umarmt sich ein Paar auf einem improvisiert wirkenden Tennisfeld inmitten einer offenen Landschaft. Die Szene wirkt intim und zugleich entrückt – wie eine Erinnerung, ein Filmstill oder ein Moment kurz vor dem Verschwinden. Kunath verbindet dabei eine fast malerische Zärtlichkeit mit subtilen Brüchen und melancholischen Kommentaren.
Wie häufig in seinen Arbeiten finden sich handschriftliche Textfragmente im Bildraum: „Looks like we made it“, „You go your way / I’ll go crazy“. Die Sätze oszillieren zwischen Popsong, Liebeserklärung und emotionaler Kapitulation. Sie verleihen der Arbeit eine zusätzliche narrative Ebene, ohne eine eindeutige Geschichte zu erzählen. Gerade dieses Offenlassen ist zentral für Kunaths Praxis: Seine Bilder funktionieren weniger als Antworten denn als emotionale Resonanzräume.
Der Titel Prendila Così – italienisch für „Nimm es, wie es ist“ oder „So ist es eben“ – verstärkt diese Haltung. Zwischen Hoffnung und Resignation entfaltet die Arbeit eine stille Akzeptanz der Widersprüche menschlicher Beziehungen und Projektionen. Das vermeintlich große Versprechen von Hollywood trifft auf Verletzlichkeit, Erinnerung und die Erkenntnis, dass sich manche Gefühle weder auflösen noch eindeutig erklären lassen
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oil on canvas
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183 x 167,5 x 3,8 cm
72 x 66 x 1.5 inch
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Unikat
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Courtesy of the artist and Tim van Laere Gallery