Damien Hirst

Guaiazulene, 2010

Damien Hirsts „Spot Paintings“ bilden einen zentralen Werkkomplex seines Œuvres und reichen von den 1980er Jahren bis heute. Die gleichmäßig verteilten, stets gleich großen Farbpunkte wirken wie neutrale Elemente eines wissenschaftlichen Systems. Hirst lässt sie von Assistenten fertigen, um den Künstler als „Autor“ zu entpersönlichen und Malerei auf das Prinzip der Reproduktion zu reduzieren. Die Titel der Bilder verweisen auf chemische Substanzen – von Arzneimitteln bis hin zu toxischen oder illegalen Molekülen. Damit führt Hirst die Idee der Moderne ad absurdum: wo Rationalität versprochen wird, zeigt er ein System, das Bedeutung nicht erzeugt, sondern verschiebt und industriell vervielfältigt.

Guaiazulene gehört zu denjenigen Spot-Werken, in denen Hirst das visuelle Versprechen wissenschaftlicher Objektivität besonders deutlich herausarbeitet. Der Titel bezeichnet eine Substanz, die in Medikamenten, Kosmetika und Farbstoffen vorkommt. Die Farbpunkte erscheinen dadurch nicht als künstlerische Entscheidungen, sondern als Proben, Muster, Präparate. Die klinische Strenge der Anordnung stellt die Moderne selbst zur Disposition: Malerei soll hier weder Ausdruck noch Geheimnis sein, sondern ein rationales System – das dennoch nichts erklärt. Hirst überlässt das Bild einer Ordnung, die nicht interpretiert, sondern registriert.

  • Woodcut in colours, on Somerset paper, with full margins.

  • I. 90.7 x 71.1 cm (35 3/4 x 27 7/8 in.)
    S. 102.5 x 81.5 cm (40 3/8 x 32 1/8 in.)

  • Signed in pencil on the front and numbered 47/48 in pencil on the reverse (there were also 20 artist's proofs), published by The Paragon Press, London, framed.

Methamphetamine, 2004

Methamphetamine macht die Ambivalenz dieses Systems sichtbar. Auch hier verspricht die Rasterstruktur zunächst Neutralität – doch der Titel verweist auf eine Substanz mit massiver gesellschaftlicher und politischer Aufladung. Dadurch wird das Werk gegen sich selbst gekehrt: Das klinische Ordnungssystem der Moderne steht im Widerspruch zu einer Substanz, die Kontrollverlust, Zwang, soziale Destruktion und Schwarzmarkt repräsentiert. Die Farbpunkte wirken weniger wie Laborproben als wie verführerische Partikel einer Ware mit Suchtpotenzial. Während Guaiazulene das wissenschaftliche Versprechen der Spots betont, zeigt Methamphetamine, dass dieses System nicht aufklärt, sondern verschleiert: Es produziert eine ästhetische Oberfläche, hinter der sich reale Macht- und Marktbedingungen verbergen – bis hin zum Kunstmarkt selbst.

  • Etching and aquatint in colours, on Hahnemühle paper, with full margins.

  • I. 177.3 x 86.4 cm (69 3/4 x 34 in.)
    S. 203.4 x 109.4 cm (80 1/8 x 43 1/8 in.)

  • Signed in pencil on the front and numbered 55/115 in pencil on the reverse (there were also 30 artist's proofs), published by The Paragon Press, London, framed.