Collier Schorr
In the collage (Marie), 2013
Collier Schorr ist eine US-amerikanische Künstlerin und Fotografin, die seit den 1990er-Jahren mit den Grenzen zwischen Dokumentation, Modebild und konzeptueller Fotografie arbeitet. Ihre Bildwelten greifen Strategien der Modefotografie auf, ohne Werbung zu sein, und reflektieren Identität nicht als Charakterdarstellung, sondern als Inszenierung innerhalb des Mediums.
In In the collage (Marie) zeigt Schorr eine seitlich stehende Figur, deren Körper zwischen Wand und Stoff eingespannt scheint. Die Haltung erzeugt eine ambivalente Spannung: Aufrecht und präsent, zugleich fixiert, als wäre der Körper weniger frei positioniert als angeordnet. Die reduzierte Bekleidung verweigert jede Erzählung über Stil, Status oder Modetrend; sie legt den Fokus nicht auf Mode, sondern auf die Form des Körpers im Bild.
Der Titel verweist auf ein Collage-Prinzip, obwohl die Fotografie auf den ersten Blick geschlossen wirkt. Der Raum besteht aus fragmentarischen Elementen – Wand, Stoff, Körper, Bildrand –, die nebeneinanderstehen wie eigenständige Ebenen. Der Körper scheint nicht als Person fotografiert, sondern als Segment, als formales Element, das in die Bildfläche eingefügt wurde. Das Foto wirkt dadurch weniger wie ein Porträt, sondern wie eine Komposition, die Körper als Bildteil organisiert.
In the collage (Marie) verschiebt den Blick von Identität auf Positionierung. Was sichtbar wird, ist kein individueller Charakter, sondern eine Setzung des Körpers im Bildraum. Schorr untersucht keine Persönlichkeit, sondern die Bedingungen, unter denen Körper dargestellt, fixiert oder fragmentiert werden können. Das Porträt wird zur Struktur – und die Figur erscheint nicht als Individuum, sondern als Anordnung.
In See her play greift Sobieski diese Verbindung auf: Die Figur steht ruhig im Bildraum, fast wie für ein Porträt positioniert. Nichts in ihrer Haltung deutet auf eine spontane Spielbewegung hin; das „Spiel“ erscheint hier als Darstellung, nicht als Aktion. Hund, Blume und Vogel, die sie umgeben, verhalten sich nicht wie erzählende Figuren, sondern wie arrangierte Requisiten. Sie wirken wie Elemente eines Stilllebens – präsent, präzise ausgearbeitet, aber ohne narrative Funktion.
Selbst der Ball auf dem Kleid erscheint nicht als Objekt im Raum, sondern als Motiv innerhalb der Komposition. Er gehört zum Bild wie ein Attribut, nicht wie ein Gegenstand der Bewegung. So entsteht eine Szene, in der Kindheit nicht durch Handlung, sondern durch Form beschrieben wird: als etwas Dargestelltes, nicht als Erlebnis.
See her play zeigt kein Ereignis, sondern eine Inszenierung der Möglichkeit. Das Bild legt weniger fest, was geschieht, als wie es erscheint – als Verbindung von Porträt und Stillleben, von Figur und Bildmotiv.
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archival pigment ink print
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164 x 107 cm
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Ed. 01/05