Chris Bracey
No place like Utopia, 2013
Chris Bracey ist einer der wenigen Künstler, deren Atelier zugleich Werkstatt, Archiv und Erinnerungsraum der Leuchtreklamekultur Großbritanniens war. Über vier Jahrzehnte produzierte er Lichtschilder für Bars, Nachtclubs und Filmsets – Objekte, die nicht Kunst sein wollten, sondern Verführung. No Place Like Utopia nimmt genau diese Sprache auf und verwandelt sie in ein autonomes Werk: Die farbigen Glühbirnen, das Aluminium der Fassadenbuchstaben und die Neonröhre stammen aus jener Welt, die Aufmerksamkeit verkauft und ein Versprechen erzeugt, bevor sie überhaupt etwas mitteilt.
Der Satz „NO PLACE LIKE UTOPIA“ ist klar lesbar und zugleich paradox. Er benennt einen Ort, der per Definition nicht existiert, und präsentiert ihn in der Zurschaustellung eines käuflichen Spektakels. Utopia erscheint hier nicht als Idee, sondern als Attraktion – als Reklametext, der sich selbst anpreist. Die verwendete Technik verstärkt diese Verschiebung: Das Werk leuchtet wie ein Angebot, obwohl es keines macht. Es funktioniert wie Werbung, ohne etwas zu verkaufen, außer einer Behauptung.
Bracey erreicht damit einen seltenen Perspektivwechsel: Nicht Kunst imitiert Reklame, sondern Reklame wird zum Träger eines Gedankens, der keine Ware sein kann. Ein Material, das gewöhnlich Orte wie Spielhallen, Vergnügungen und Wunschbilder ansteuert, verkündet hier einen Begriff, der sich jeder Erfüllung entzieht. No Place Like Utopia ist damit nicht bloß ein leuchtender Satz, sondern eine Demonstration des Mediums selbst: Leuchtschrift als Versprechen ohne Produkt – ein Ideal im Gewand der Verführung.
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acrylic on reclaimed wood, neon, aluminum and carnival light bulbs
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29 7/8 x 59 x 5 1/8 in. (76 x 150 x 13 cm)
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Unikat