Chiharu Shiota

State of Being (Keys), 2017

In dieser skulpturalen Arbeit verdichtet Chiharu Shiota ihr zentrales Thema: die fragile Verbindung zwischen Erinnerung, Identität und den Dingen, die unser Leben begleiten. Ein Netz aus dünnen, unzählbar wirkenden schwarzen Fäden umspannt einen rechteckigen Kubus. Im Inneren, nur schemenhaft erkennbar, hängen einzelne Schlüssel – alltägliche Objekte, die zugleich eine ungeheure emotionale Ladung tragen. Sie stehen für Zugang, Besitz, Schutz, aber auch für Verlust, Verschlossenheit und die flüchtigen Spuren persönlicher Geschichte.

Das dichte Fadengeflecht fungiert wie ein physisches Gedankenmodell: ein chaotisches, aber fein verknüpftes System, das Erinnerungen einschließt und zugleich verbirgt. Die Schlüssel erscheinen, als würden sie im Gedächtnis schweben, eingeschlossen in einem nicht greifbaren Raum. Was einmal vertraut und selbstverständlich war, rückt in eine neue Distanz. In der Arbeit wird sichtbar, wie Erinnerungen sich verknäulen, wie Bedeutungen an Objekte gebunden werden und wie sehr wir unser Inneres mit Dingen verbinden, die selbst stumm sind.

Shiotas Materialästhetik – das Spannen von Fäden, das Konstruieren mentaler Räume – erzeugt keine Erzählung, sondern eine Atmosphäre aus Andeutung und Unsicherheit. State of Being (Keys) bleibt offen: Es fragt nicht, wem die Schlüssel gehören, sondern wessen Erinnerungen darin eingeschlossen sein könnten. So wird der geschlossene Kubus zum Sinnbild eines inneren Archivs, das gleichzeitig Schutzraum und Gefängnis ist, Träger von Vergangenheit und Spiegel der eigenen Existenz.

  • Metallrahmen, schwarze Fäden, Schlüssel

  • Unikat