Britta Thie

D Cam, 2024

Britta Thie (*1987) arbeitet an der Schnittstelle von Malerei, Film und digitalen Medien. Bekannt wurde sie durch ihre reflexiven, oft autobiografisch gefärbten Serien- und Videoarbeiten, in denen sie Produktionsbedingungen, Identitätskonstruktionen und die Ästhetik gegenwärtiger Bildkulturen untersucht. Seit einigen Jahren erweitert sie dieses Feld um eine Malpraxis, die das Analoge bewusst in mediale Setzungen zurückführt.

D Cam entstand direkt am Set der Netflix-Serie Die Kaiserin, wo Thie während der Wartezeiten zwischen den Dreharbeiten begann, die Szenerie um sich herum zu malen. Damit verbindet das Werk zwei Zeitebenen: die opulente Rekonstruktion eines höfischen 19. Jahrhunderts und den nüchternen Produktionsapparat einer zeitgenössischen Filmwelt.

Im Bild stehen barocke Architekturfragmente, abgeblätterte Spiegel und filmische Technik so selbstverständlich nebeneinander, wie sie am Set real koexistieren. Die Kamera auf ihrem Stativ erscheint nicht als neutrales Werkzeug, sondern als Protagonistin – als Maschine, die Geschichte produziert und zugleich verdeckt. Der gealterte Spiegel dahinter zersplittert die Szenerie: Er reflektiert das Set, verschluckt aber die Fiktion.

Indem Thie unmittelbar im Entstehungsraum der historischen Serie arbeitet, verschiebt sie die Perspektive: Nicht die inszenierte Geschichte steht im Fokus, sondern der Blick hinter sie. D Cam zeigt den Moment, in dem Produktion, Repräsentation und Realität ineinander gleiten – und macht sichtbar, dass jede historische Erzählung von Apparaten getragen wird. Malerei gewinnt hier, ausgerechnet im Setting einer Streaming-Produktion, eine unerwartet körperliche und gegenwärtige Präsenz.

  • Oil on canvas, framed

  • 200 x 150 cm | 78 3/4 x 59 in

  • Unikat