Barry Lategan

Twiggy, 1966

Barry Lategan gehört zu jenen Fotografen, die Modegeschichte nicht nur dokumentierten, sondern durch Bilder mitschrieben. Seine Porträts konzentrieren sich auf das Gesicht als Projektionsfläche: klar, reduziert, ohne Ablenkung. Lategan versteht Fotografie als Konstruktion von Identität – und als Ort, an dem Stil, gesellschaftliche Erwartungen und Popkultur sichtbar werden.

Das Porträt Twiggy von 1966 gilt als eine der Geburtsstunden eines neuen Schönheitsideals. Es zeigt nicht einfach nur Twiggy als Model, sondern den Moment, in dem ein Gesicht zu einem globalen Phänomen wird. Mit streng frontalem Blick, geometrisch arrangiertem Haar und markanten Wimpern wird eine Ästhetik ins Bild gesetzt, die von Jugendlichkeit, Androgynie und Popkultur geprägt ist – und die Mode der 1960er Jahre radikal veränderte.

Der dick gestrickte Pullover bildet einen bewussten Kontrast zur hochartifiziellen Schönheit. Lategan verleiht der Ikone eine merkwürdige Bodenhaftung: Das Bild wirkt zugleich intim und überhöht. Es ist kein glamouröses Modefoto, sondern ein kühles, fast dokumentarisches Statement – ein Gesicht, das zum Logo einer Generation wird.

Historisch bedeutend ist nicht nur das Porträt selbst, sondern seine Wirkung. Das Bild machte eine Persönlichkeit zur weltweiten Stilikone und markierte den Übergang von klassischer Modefotografie zu Pop-Identitäten, die durch Medien und Massenkultur entstehen. Twiggy, 1966 ist damit weniger ein Foto als ein kultureller Wendepunkt – der Beginn einer neuen Idee von Jugend, Stil und Individualität.

  • GELATIN SILVER PRINT; PRINTED LATER (2010); SIGNED, TITLED, DATED AND NUMBERED IN INK BELOW IMAGE IN THE MARGIN; SIGNED AND DATED IN INK ON THE VERSO.

  • image/sheet as visible through mount: 44.7 x 39.4cm. (17 5/8 x 12 1⁄2in.)