Anne-Karin Furunes
PORTRAITS OF PICTURES I, 2015
In Portraits of Pictures I erscheint ein historisches Porträt allein durch Licht und Schatten. Das Gesicht bildet sich aus einem dichten Raster kreisförmiger Öffnungen auf einer monochrom mit Acrylfarbe behandelten Leinwand. Das Bild entsteht nicht durch Kontur oder Farbauftrag, sondern durch das Wechselspiel zwischen Oberfläche und Durchlässigkeit: Wo Licht fällt, wird das Gesicht sichtbar; wo die Fläche geschlossen bleibt, verschwindet es.
Anne-Karin Furunes greift häufig auf historische Fotografien aus Archiven zurück. Die dargestellten Personen bleiben meist anonym – nicht als konkrete Biografien, sondern als Spuren vergangener Leben, die nur in Bildern überliefert sind. In diesem Werk wird das Porträt nicht vollständig lesbar: Nähe und Distanz verändern das Erscheinungsbild. Aus der Ferne wirkt das Gesicht deutlich erkennbar, aus der Nähe zerfällt es in ein abstraktes, technisch wirkendes Punktmuster.
Die Arbeit bewegt sich zwischen Fotografie, Malerei und skulpturaler Oberfläche. Das Raster erinnert an Drucktechniken oder digitale Pixel, gleichzeitig bleibt das Bild an ein physisches Objekt gebunden, das Schatten wirft und sich im Raum verändert. So verbindet Portraits of Pictures I zwei Ebenen von Erinnerung: das fotografische Bild einer unbekannten Person und seine heutige Erscheinung als zeitgenössische, fragmentarische Spur.
Das Werk stellt damit keine vollständige Identität dar, sondern eine Möglichkeit, gesehen zu werden. Der Blick auf die Person bleibt offen – zwischen Präsenz und Verschwinden, zwischen Archivresten und neuen Bedeutungen im Heute.
-
acrylic on canvas, perforated
-
224 x 160 cm
-
Unikat