Ana Bagayan

2013, Efflorescents

Ana Bagayan arbeitet mit Bildwelten, die zwischen Pop-Surrealismus, spiritueller Symbolik und fabelhaften Naturerscheinungen oszillieren. Ihre Figuren bewegen sich stets an der Schwelle zwischen Mensch und Wesenhaftem, zwischen kindlicher Anmut und kosmischer Alterität. Anstatt Fantastik als Flucht zu inszenieren, macht Bagayan das Übernatürliche zum integralen Bestandteil einer erweiterten Realität.

In Efflorescents erscheint das Übernatürliche nicht als Bedrohung, sondern als zartes Naturphänomen. Die zentrale Gestalt, eine transparente Kinderfigur aus floralen Elementen, wirkt weder körperlich noch geisterhaft. Sie setzt sich aus Blüten, Blättern und Ornamenten zusammen, als wäre sie weniger Person als ein Aggregat von Wachstum. Sichtbar wird ein Körper, der nicht geboren, sondern geblüht ist.

Um sie herum sitzen drei Kinderfiguren, die zugleich vertraut und fremd wirken: ihre großen Augen, ihre ruhigen Posen und die fast überirdische Farbigkeit ihrer Haut erzeugen einen Zustand zwischen Porträt und Fabelwesen. Diese Kinder berühren ein Modell des Sonnensystems, dessen Planeten Spielzeuggröße besitzen. Die kosmische Ordnung liegt buchstäblich in Kinderhand – als Objekt, das nicht erklärt, sondern begriffen werden kann.

Das Bild entwickelt so eine stille Verknüpfung zwischen Natur und Kosmos, zwischen Wachstum und Wissen. Die florale Lichtfigur scheint kein Mythos, sondern ein Vermittler: eine Erscheinung, die nichts verkündet, sondern in Erscheinung verwandelt. An ihre Stelle tritt kein Wunder, sondern ein natürlicher Vorgang – das Aufblühen als Wissensträger.

Efflorescents eröffnet damit keine märchenhafte Illusion, sondern eine alternative Form der Erkenntnis: Das Planetensystem wird nicht belehrt, sondern ertastet, und Licht entsteht nicht durch Erleuchtung, sondern durch Wachstum.

  • Öl auf Leinwand

  • Unikat

Searching for something to feel

Ana Bagayan entwirft Bildräume, in denen das Fantastische nicht als Flucht erscheint, sondern als Erweiterung der Wirklichkeit. Ihre Figuren wirken kindlich, aber nicht kindisch; sie bewohnen ein Universum, das weder naiv noch rein allegorisch ist, sondern eine eigene Logik der Wahrnehmung behauptet. Gefühl, Erkenntnis und Selbstverortung entstehen hier nicht durch Erklärungen, sondern durch Sensibilität.

In Searching for something to feel bewegt sich die zentrale Figur wie tastend durch eine Landschaft aus übergroßen Händen. Diese Hände wachsen aus dem Boden wie Pflanzen oder Fundstücke, als wären Berührungen fossil geworden. Sie halten Augen, Vögel, Nester – Sinnesorgane und Zeichen von Wahrnehmung – doch alle wirken seltsam isoliert, als stammten sie aus einer Welt, in der Empfinden nicht mehr selbstverständlich ist.

Die Figur selbst bleibt ruhig, fast melancholisch. Sie tastet, ohne zu greifen; sie bewegt sich, ohne ein Ziel erkennen zu lassen. Der Satz „Searching for something to feel“, handschriftlich quer über das Bild gezogen, wirkt nicht wie ein Titel, sondern wie ein Kommentar, der sich in das Motiv einschreibt. Er wird nicht gelesen, sondern gesehen – eine Empfindung, die zu Sprache wird, ohne sich in Bedeutung aufzulösen.

Durch das Nebeneinander von anatomisch überdehnten Händen, kindlicher Figur und grafisch klarer Schrift entsteht eine paradoxe Szene: Alles bietet Berührung an, doch nichts verbindet sich wirklich. Wahrnehmung wird zur Suche, Gefühl zum Ereignis, das ausbleibt und gerade dadurch spürbar wird.

Searching for something to feel zeigt kein Bedürfnis nach Sensationen, sondern die fragile Sehnsucht nach Echtheit. Das Bild beschreibt nicht das Finden, sondern die Möglichkeit des Empfindens – als etwas, das erst entstehen muss.

  • Bleistift und Tinte auf Papier

  • Unikat